Wer kennt die Momente nicht, in denen wir uns mitten im Gespräch durch Äußerungen unseres Gegenübers wütend oder auch vor den Kopf gestoßen fühlen. Wir nehmen das Gesagte persönlich und reagieren darauf entsprechend unserer Handlungsmuster, indem wir uns entweder verteidigen oder verbal „zurückschießen“. Schnell erleben wir dann anstelle eines Kommunikationsflusses ein Minenfeld aus Bewertungen und Interpretationen.

In diesem BLOG erhältst du drei wertvolle Tipps, wie du typische Kommunikationsmuster unterbrechen kannst:

  • Wie gehe ich mit Bewertungen um?
  • Was kann ich tun, wenn ich mich verbal angegriffen fühle?
  • Wie kann ich mich verstanden fühlen?

 

Tipp 1: „Immer kommst du zu spät“ – Beobachtung versus Bewertung

Unser Verstand versucht permanent, unsere Wahrnehmungen von der Welt zu ordnen. Sinnesreize werden im limbischen System unseres Gehirns verarbeitet. Die dort gespeicherten Bedeutungszuschreibungen spiegeln jedoch nicht eine generelle Wahrheit wider, sondern entsprechen persönlichen Wertemaßstäben, Prägungen und Erfahrungen.

Ich lade dich zu einer kleinen Übung ein: Beobachte am heutigen Tag deine Gedanken und Äußerungen. Wie oft enthalten diese Bewertungen und wann gibst du tatsächlich eine Beobachtung wieder, d.h. eine „allgemeingültige Wahrheit“, die auch eine dritte Person hätte beobachten können. Es ist wahrlich erstaunlich, dass unser Verstand ständig eine Meinung zu allem hat, was wir sehen und erfahren.

In einem Gespräch ist es hilfreich, zu erkennen, dass die Äußerungen eines anderen nicht per se persönlich gemeint sind, sondern ein Hinweis auf dessen Wirklichkeitskonstruktionen sind. Wenn z.B. jemand dein ‚zu spät kommen‘ bemängelt, mag dies ein Hinweis darauf sein, dass der Person Zuverlässigkeit wichtig ist. Probiere doch mal aus, in diesem Moment die Äußerung deines Gesprächspartners zu paraphrasieren: frage nach Gefühlen und/oder den Bedürfnissen, die du aus dem Gesagten heraushörst.

 

Tipp 2: „DU bist…“ – Interessenserkundung anstelle von Angriff oder Verteidigung

In einem dynamischen Gesprächsverlauf bewerten und interpretieren die beteiligten Personen einander. Instinktiv wird darauf entweder mit Verteidigung oder einem Gegenangriff reagiert. Dieses Kommunikationsmuster ist wenig hilfreich für eine Situationsklärung. Ein solches Gespräch hinterlässt immer einen fahlen Nachgeschmack. Wir sind vielleicht wütend, verletzt, aber eventuell auch frustriert und hilflos.

Was kannst du in einem solchen Moment tun? Die Lösung liegt zunächst darin, den Satz des anderen wiederzugeben: „Du hast gerade gesagt, dass ich…“. Der nächste Schritt ist, dass du äußerst, welche Gefühle und Interpretationen dies in dir auslöst und in einem letzten Schritt, einen Wunsch zu formulieren wie du dir eine Klärung dieser Situation vorstellst. Beispielsweise darum zu bitten, in Ich-Form zu sprechen oder andere Worte zu wählen, die bei dir zu einem Verständnis des Anliegens oder der anderen Person führen können.

 

Tipp 3: „Reden ist Gold, Schweigen missverständlich“ – Verständnis beginnt mit offenen Fragen

Mit sogenannten W-Fragen erkunden wir die Perspektive unseres Gegenübers. Oftmals denken wir, dass wir schon wissen, was der andere meint. Wir betrachten die Welt jedoch aus unserer persönlichen Wirklichkeitskonstruktion und diese kann zum Teil sehr verschieden sein von der Sicht unseres Gegenübers. Wir können uns daher nicht sicher sein, was oder wie jemand eine Äußerung meint und vor allem, was derjenige von uns tatsächlich will oder braucht. Sich über die jeweilige Perspektive auszutauschen und eine Haltung im Gespräch einzunehmen, die daran interessiert ist, die Welt des anderen verstehen zu wollen, ermöglicht ein Gefühl des gegenseitigen Verständnisses.

Fragen wie „Was bedeutet das für dich?“, „Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?“, „Was ist dir jetzt wichtig?“, „Was kann ich für dich tun?“ oder auch „Was ist dein Fokus in dieser Angelegenheit?“ laden den Gesprächspartner ein, sich selbst zu fragen, welche Bedürfnisse, Interessen, Assoziationen, Erfahrungen, Wünsche oder auch Verletzungen hinter den vorangegangenen Äußerungen stehen. Es ermöglicht, Unbewusstes bewusst zu machen.

Mit Hilfe dieser drei Tipps kannst du  Kommunikationsmuster unterbrechen. Indem du beschreibst, was du gehört hast, daran interessiert bist, was das tatsächliche Anliegen deines Gesprächspartners ist und offene Fragen stellst, um die Perspektive des Anderen zu verstehen, förderst du ein gegenseitiges Verständnis.

Deine Erfahrungen und Erkenntnisse darüber, was dir wirklich wichtig ist, kannst du in einem Notiz- oder Tagebuch festhalten. Unser Gehirn ist vergesslich und alles, was du in deinem Leben etablieren willst, braucht bewusste Wiederholung.

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Jede Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Es sind jedoch die kontinuierlichen, kleinen Schritte, die den Unterschied machen – für eine bewusste Verbindung mit deinem Potenzial!

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Foto: Photos Pro