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Autoregulation entspricht definitorisch der Fähigkeit eines Systems, sich selbständig an verändernde Bedingungen anzupassen.

Im Allgemeinen reagieren wir in wechselnden Bedingungen mit gewohnten Handlungsmustern. Entsprechend des Axioms von Watzlawick „mehr desselben“, zeigen wir ein Verhalten öfter oder intensiver, was nicht unbedingt die Ergebnisse hervorruft, die in solchen Momenten angemessen sind oder wir uns wünschen, um tatsächlich eine Veränderung zu bewirken.  

Diese Art des Verhaltens basiert auf unserem Vorwissen, d. h. einem vorhandenen Bedeutungskontext, der im Gehirn aktiviert wird und eingehenden Informationen erst seine Bedeutung verleiht. Waren Veränderungsmomente in deinem bisherigen Erleben positiv und hast du dich beispielsweise als wirksam erlebt oder machen dir wechselnde Bedingungen eher Angst, weil du diese mit Gefühlen wie Hilflosigkeit oder Ohnmacht assoziierst?

Das limbische System bewertet alles, was durch uns und mit uns geschieht, danach, ob es gut/ vorteilhaft/ lustvoll war und entsprechend wiederholt werden sollte, oder schlecht/ nachteilig/ schmerzhaft und entsprechend zu meiden ist“ (Roth, 2006, S. 53). Die entsprechenden Bewertungen werden im emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert und können in Folge durch entsprechende Lebenssituationen aktiviert werden.

Um wechselhaften Bedingungen adäquat begegnen zu können, benötigen wir dementsprechend ein Verhalten, dass situationsangemessen und zielführend ist sowie ein Handlungsrepertoire, das uns in sich wechselnden Situationen ein flexibles Agieren ermöglicht.

Die 3 Dimensionen der Autoregulation

  1. Haltung
  2. Intensität
  3. Timing
  1. Dimension: Haltung (‚internal‘ – ‚external‘)

Unser Verhalten kann zwischen ‚internal‘ und ‚external‘ variieren. Je ‚nach außen‘ gerichteter unser Verhalten ist, desto mehr sensorische Informationen nehmen wir aus unserer Umgebung wahr. Dieser Zustand ist sehr energieintensiv und bringt den Körper in einen sympathischen Zustand, in dem vor allem Hormone wie Adrenalin und Cortisol uns voran ‚pushen‘. Auf Dauer ist dieser Spannungszustand jedoch nicht auszuhalten, da nach einer Zeit einer Anspannung eine Zeit der Erholung folgen muss, damit sich der Körper entsprechend regenerieren kann, Adaptationsprozesse eingeleitet und vor allem unsere Energiereserven wieder aufgefüllt werden.

2. Dimension: Intensität (Ruhe – Aktivität)

Auf dieser Dimension kannst du überprüfen, zu welcher Einstellung du in herausfordernden Zeiten eher neigst: bist du beispielsweise in solchen Situationen sehr aktiv oder ziehst du dich eher zurück?

Auf der zweiten Dimension kannst du dein Verhalten in seiner Intensität variieren. Auch auf dieser Dimension lautet die Regel, dass eine höhere Intensität gleichzeitig mehr Konzentration und damit auch mehr Energie erfordert.

Dimension: Timing (langsam versus schnell)

Diese Dimension variiert das Verhalten zwischen langsam und schneller Ausführung. Die Gefahr in der Schnelligkeit liegt in der erhöhten Fehleranfälligkeit und hängt somit von dem ab, was du erreichen willst und ob Fehler dabei zu tolerieren sind oder deine Ergebnisse entscheidend beeinflussen. Langsam zu handeln ermöglich eine erhöhte Achtsamkeit, ist jedoch nicht in jedem Moment und zur Bewältigung jeder Situation passend.

Was ist ein ‚balanciertes‘ Verhalten?

Eine angemessene Haltung, Intensität und Timing erfordert eine Wahrnehmung deines aktuellen Körperzustands und situativer Faktoren

„Wie fühle ich mich gerade?“ lenkt deine Aufmerksamkeit nach innen und gibt dir Informationen zum aktuellen Zustand deines Körpers, deines emotionalen Empfindens sowie deines Energielevels. Wenn das Ergebnis lautet: ‚Ich bin müde und fühle mich erschöpft‘, kannst du entscheiden, dein Verhalten auf den drei Dimensionen entsprechend anzupassen.

Wenn situative Faktoren ein unmittelbares Handeln erfordern, ist die entscheidende Frage: Wohin? In welche Richtung willst du Handeln: einfach nur weg, egal wohin oder in eine bestimmte Richtung?

Eine Zielorientierung macht den entscheidenden Unterschied in der angemessenen Auswahl des Verhaltensrepertoires sowie der entsprechenden Haltung, Intensität und des angemessenen Timings.

Um flexibel in wechselhaften Zeiten agieren zu können, ist eine Adaptation des eigenen Verhaltens notwendig. Die Spielregel lautet: Eine bewusste Verhaltensmodulation auf den drei Dimensionen fördert automatisch Autoregulation. Autoregulation = Verhaltensmodulation im Moment

Foto: Luis Peer