Wie gelingt Balance im Leben?

Zeit ist für uns heute selbstverständlich. Wir nehmen Zeit aber auch als regulierenden und reglementierenden Faktor wahr, der unser Leben bestimmt. Die Entstehung des Zeitbegriffes zeigt, dass diese Einteilung lediglich eine Festlegung war, die durchaus auch anders hätte ausfallen können. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die Babylonier die ersten waren, die eine Woche entsprechend der von ihnen beobachteten, sich bewegenden Himmelskörper Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn in sieben Tage einteilten. Und da im Zweistromland mit sechziger (anstelle von Zehnerpotenzen) gerechnet wurde, teilten sie eine Stunde bzw. eine Minute in 60 Einheiten ein. 

Die Akzeptanz von Zeit beruht lediglich auf einer gesellschaftlichen Konvention und nicht auf einer allgemeingültigen Wahrheit.

In diesem Blogbeitrag geht es um die Frage, wie Balance und unser heutiger Zeitbegriff miteinander verwoben sind. Du erhältst drei Tipps, wie Balance in deinem Leben gelingen und Zeit eine wertschöpfende Bedeutung erlangen kann!

Zeit als Ritual

Bereits im 6. Jahrhundert schrieb Benedikt von Nursia den Mönchen acht regelmäßige Gebetszeiten pro Tag vor Der Tagesverlauf für Gottesdienst, Essen, Studium, Arbeit und Schlaf war lückenlos festgelegt. Damit wurde auch im Grundsatz geprägt, dass Müßiggang eine Unart ist. Gefordert waren vielmehr Disziplin, Einhaltung von Regeln und Entsagung. Interessanterweise auch alles Eigenschaften, die eine moderne Gesellschaft fordert. Nach Max Weber ist unser Berufsethos eine ständige Aufforderung, Zeit einzuteilen, zu leisten und zu bewerten. Damit leben wir nichts anderes als eine weltliche Version der ehemals geistigen Ideale des Mönchstums.

Zeit bietet eine stabile Struktur, die im Sinne einer Gewohnheit Sicherheit vermittelt. Wir müssen nicht jeden Tag jede Handlung neu erfinden, vielmehr legen die Termine des Tages fest, was wann zu tun ist. Balance bedeutet auf dieser Ebene eine Struktur zu finden, die Sicherheit und Struktur widerspiegelt und gleichzeitig Raum für die individuelle Ausgestaltung gibt.

Treffen wir uns immer um 18 Uhr zum Gebet in der Kapelle, weil Beten unser Herzensausdruck ist und wir als Ritual uns dafür um 18 Uhr treffen. Oder gehen wir um 18 Uhr in die Kapelle, weil es der Termin in unserem Kalender ist und wir nun beten müssen. Die Frage ist also: Verleiht eine zeitliche Struktur unserem individuellen Lebensausdruck einen stabilen Rahmen oder diktiert uns die Struktur unser Tun, ohne dass wir es tatsächlich wollen. Im zweiten Fall werden wir zu Sklaven unserer eigenen Zeit.

Zeit als Maßstab

In den letzten zwei Jahrzehnten erleben wir eine Verdichtung von Arbeit, die vor allem auf eine Verdichtung von Informationen zurückzuführen ist. Wir erleben eine Erhöhung der Anforderungen bei gleichbleibenden Zeiteinheiten. Diese Verdichtung fühlt sich für die meisten von uns wie ein Gefängnis an und weckt die Sehnsucht nach Freiheit: Wir möchten am liebsten ausbrechen aus dieser Struktur. Wir erleben Zeit als Druck, den täglichen Anforderungen standzuhalten und nehmen körperliche Symptome zwar wahr, aber lange nicht ernst, weil wir keine Alternative sehen. Glauben wir wirklich, dass eine überhöhte Frequenz über einen längeren Zeitraum ohne Auswirkungen auf die Gesundheit möglich ist? Würdest du die gleiche Frequenz aufrechterhalten, wenn es nicht um Geld und Existenz gehen würde? Wir tauschen Lebenszeiteinheiten in Geld ein: Wie viel Zeit ist uns Geld wert oder wie viel Geld ist unsere Zeit wert?

Balance bedeutet Informationsselektion. Auf dieser Ebene ist es wichtig, bewusst zu entscheiden, wann und wie viel Informationen wir aufzunehmen. Wir sind unser eigener Maßstab. In jedem Moment treffen wir eine Entscheidung, was wir tun und womit wir unsere Zeit verbringen. Deine Zeit wird zu einer Widerspiegelung deiner Werte und prägt dein Selbstbild. Selbst wenn du aus Gewohnheit mehrere Stunden mit Klatsch und Tratsch über Prominente verbringst, beeinflusst dies deine Sicht auf Schönheit, Erfolg, Besitz etc.

Zeit als Adaptationsprozess

Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen einer Zeit des Wachseins und des Schlafes. Mönche wählten 7 Stunden Schlaf als Anteil, dem man dem Ausruhen gab. Jüngsten Studien zufolge sollte jedoch ein Erwachsener zwischen 8 bis 10 Stunden Schlaf täglich haben, um Regenerierungsprozessen im Körper ausreichend Zeit zu geben. Sowohl für Lern- als auch für muskuläre Anpassungsprozesse durch Trainingsreize, sind Ruhephasen notwendiger Bestand für erfolgreiche Adaptation.

Bei einer unzureichenden Menge oder zu kurzen Ruhephasen kommt es (je nach körperlicher Verfassung) zu Überlastungserscheinungen. Im Sport spricht man dann von Übertraining, was zu Verletzungen und damit zu Trainingsausfällen führen kann. Das gleiche gilt jedoch auch für unsere Leistungsfähigkeit bei der Arbeit und bei der Erledigung unserer täglichen Anforderungen. Unser Körper braucht eine Balance zwischen Leistungsabruf und Erholung. Zweimal im Jahr zwei Wochen Urlaub zu planen reicht nicht aus! Jeden Tag braucht unser Körper eine ausreichende Menge Schlaf und Entspannung. Wenn du jetzt vielleicht in diesem Moment denkst, dass du dir das nicht leisten kannst oder dein Tag solche Pausen nicht ermöglicht. Frage dich einmal ganz ehrlich, wie lange dein Körper diesen Anforderungen standhalten wird: noch ein paar Monate, 1 Jahr, 3 Jahre, mehr?

Entspricht dies deinem Lebensausdruck? Es ist ja nicht so, dass die Lebensumstände, in denen wir uns befinden (wie in manch‘ anderen Ländern und zu anderen Zeiten) durch äußere Faktoren bestimmt werden, nein – die meisten von uns schaffen sich das Gefängnis des Tages und des Denkens selbst. Was und womit wir unsere Zeit verbringen liegt größtenteils in deiner Hand und es waren deine Entscheidungen, die diese Art der Lebenserfahrung in dein Leben gezogen haben. Damit bist du natürlich auch frei, zu jedem Zeitpunkt eine andere Entscheidung zu treffen.

Nach Nossrat Peseschkian steht unser ‚Ich‘ auf vier Säulen, bestehend aus Gesundheit, Beruf, Beziehungen und Sinn. Ein Haus ist jedoch nur so lange stabil, wie das Gewicht auf den Säulen gleich verteilt ist. Betonen wir beispielsweise die Säule ‚Beruf‘ und sind dabei erfolgreich, dann hat der Einsatz in diesem Bereich jedoch Auswirkungen auf unser Privatleben, auf unsere Gesundheit und vielleicht sogar auf die Frage nach dem persönlichen Sinn. Es braucht eine Balance zwischen allen vier Säulen.

Ein paar Fragen zur Reflexion:

  • Was ist dir im Bereich Gesundheit wichtig?
  • Welche Bedeutung hat dein Beruf?
  • Was ist dir in Partnerschaft und Familie wichtig?
  • Und: was gibt deinem Leben ein Gefühl von Sinnhaftigkeit?
  • Wie viel von alldem findet täglich Ausdruck in deinem Leben?
  • Lebst du eine Gleichverteilung oder steht dein Haus etwas windschief und wenn ja, wie lange schon?

Zeit ist ein Konstrukt und doch für viele im Erleben ein Gefängnis. Wir können Zeit nutzen, um Erfahrungen zu machen, die für uns wertvoll und erstrebenswert sind. Dafür ist es wichtig, sich einmal bewusst zu machen, wofür du deine Zeit wirklich einsetzen möchtest. Nicht die Zeit ist hier der Maßstab, sondern das, was du tun willst: drück deiner Lebenszeit den persönlichen Stempel auf. Rituale sind dabei positiv und strukturieren deinen Tag. Es liegt jedoch an dir, eine Struktur zu finden, die dich mit Freude erfüllt und deinen individuellen, selbstbestimmten Ausdruck im Einklang mit Gemeinschaft und Natur ausdrückst.

Alles hat seine Zeit! Und wer behauptet eigentlich, dass wir nur wertvoll oder erfolgreich sind, wenn wir an oder über unsere Leistungsgrenzen gehen?

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Jede Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Es sind jedoch die kontinuierlichen, kleinen Schritte, die den Unterschied machen – für eine bewusste Verbindung mit deinem Potenzial!

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Foto: Photos Pro