Michael Phelps gilt als der erfolgreichste Schwimmer, der im Laufe seiner Karriere insgesamt 28 olympische Medaillen, davon 23 Goldmedaillen erreichte. Über Jahre hinweg trainierte er sechs Stunden pro Tag an sechs Tagen in der Woche eine Kombination aus Schwimm-, Kraft- und Ausdauertraining.

Nun ist es sicherlich so, dass LeistungssportlerInnen wie auch KünstlerInnen, Entrepreneure, MusikerInnen oder auch WissenschaftlerInnen (um nur einige Bereiche zu nennen) nicht jeden Tag über viele Stunden immer mit der gleichen Begeisterung und voller Eifer ihrer Berufung nachgehen – gleichwohl es ein grundlegendes Talent und auch eine innewohnende Motivation gibt. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff Disziplin verwendet.

Erfordert Entwicklung immer Disziplin?

Und: Ist Entwicklung dann denen vorbehalten, denen Disziplin quasi in die Wiege gelegt wurde?

Wenn wir etwas Neues lernen wollen, dann ist es im ersten Moment vielleicht spannend oder wir sind begeistert und wollen unbedingt mehr davon: wir haben ein Ziel. Jedoch stockt nach einer Weile oder durch äußere Umstände bedingt der Motor. Im Laufe der Jahre machen wir dann Erfahrungen, die uns zu dem Rückschluss verleiten, dass es uns vielleicht an Disziplin mangelt und wir deshalb manche Dinge nicht erreicht haben und auch in Zukunft nicht erreichen werden.

Eigentlich hat Disziplin in diesem Zusammenhang einen negativen Beigeschmack. Wir „müssen“ etwas tun, worauf wir eigentlich gerade keine Lust haben. Disziplin wird zur Verpflichtung, quasi eine Spaßbremse und wer will das schon?

Demgemäß müsste Entwicklung eigentlich nur etwas für ehemalige LeistungssportlerInnen sein, die über Jahre hinweg ‚diszipliniert‘ strukturiert gehandelt, einen ausgeklügelten Ernährungsplan eingehalten und ihr Privatleben oder andere Bedürfnisse hintenangestellt haben. Und in der Tat fällt es vielen ehemaligen LeistungssportlerInnen leichter, sich auch in ihrer weiteren Karriere sehr planvoll und strukturiert fortzubewegen.

Disziplin ist jedoch zum Glück nicht genetisch determiniert, sondern basiert auf dem Erlernen geeigneter Denk- und Verhaltensstrategien!

Im Sport werden mentale Techniken eingesetzt, um eine bewusste Veränderung innerer Zustände zu erreichen, so dass die Person in der Lage ist in einem spezifischen Wettkampfmoment eine vielfach geübte und in seinem Ablauf perfektionierte Bewegungs- und Verhaltensabfolge abrufen zu können.

Hierfür brauchen wir auf der einen Seite ein klares Ziel auf der anderen Seite einen Prozess, der geeignet ist, dieses zu Ziel zu erreichen. Der Prozess gliedert sich wiederum in Handlungen, die Reiz-, Reaktion Abläufe beinhalten. Diese Handlungsketten werden so oft wiederholt, verfeinert und reflektiert, bis sie automatisiert ablaufen. Die Sportlerin bzw. der Sportler geht diese Abläufe nicht nur physisch im Training durch, sondern auch mental insbesondere vor einem Wettkampf.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein mentales Vergegenwärtigen von Handlungsabläufen die Trainingsleistung signifikant verbessert.

Entwicklungsprozesse brauchen Kontinuität und Wiederholung

Adaptationsprozesse erfordern eine klare Zielorientierung und Prozesse, die geeignet sind, das Ziel zu erreichen. Die ‚gewünschten‘ Handlungen müssen kontinuierlich wiederholt werden, so dass in unserem Gehirn entsprechende synaptische Bahnungen gebildet werden, die wie beim Autofahren ein automatisiertes Handeln ohne bewusste Kognition ermöglichen. Um eine Handlungsabfolge zu einer Gewohnheit werden zu lassen, sind durchschnittlich etwa 60 Wiederholungen notwendig.

Disziplin ist sicher ein erfolgreiches Tool, um strukturiert und zielorientiert zu handeln. Nachhaltige Entwicklung benötigt jedoch auch ein inneres ‚Commitment‘. Nicht im Sinne eines ‚Müssens‘, sondern einer Verbindlichkeit gegenüber dem eigenen ‚Wollen‘! Disziplin erfordert eine klare Entscheidung. Wir geben dem Gehirn nicht die Wahl, stundenlang zu zweifeln oder 300 Mal im Kreis zu diskutieren, ob wir das jetzt tun wollen oder später oder gar nicht: No Prokastination!

3 Fragen für deine bewusste Ausrichtung im Verlauf des Tages:

  • Was ist deine Zielorientierung und die hinter diesem Ziel stehenden Bedürfnisse?
  • Was sind die Rahmenbedingungen, beispielsweise externe Faktoren wie Zeit, Termine, etc.?
  • Wie ist dein momentaner Körperzustand (i.B. Körperenergie, Stimmung, Gesundheit)?.

Daraus entsteht keine perfekte, absolute Leistungsanforderung. Der Fokus liegt auf einer qualitativ wertigen Handlungsdurchführung im JETZT. Ein Beispiel: du möchtest deinen Trainingszustand verbessern und planst dafür mindestens 20 Minuten Bewegung an drei Tagen pro Woche ein. Dann hast du an diesen drei Tagen zum einen die Wahl, welche Bewegung deinem Körper jetzt guttut und wie lange du dich bewegen magst. Festgelegt ist lediglich: „20+ Minuten“.

Das Wahrnehmen des eigenen Körperzustandes, situativer Faktoren plus deiner Zielorientierung erhöht zum einen deinen Grad deiner inneren Zufriedenheit und zum anderen führt es dich auf qualitativ gesunde Weise zu deiner Zielerreichung.

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Jede Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Es sind jedoch die kontinuierlichen, kleinen Schritte, die den Unterschied machen – für eine bewusste Verbindung mit deinem Potenzial!

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